PA der Österreichischen Kardiologengesellschaft zum ESC in Stockholm
Fischöl nach Herzinfarkt: Neue Studie zeigt keine signifikante Wirkung
Graz, Stockholm, Donnerstag, 2. September 2010 - Niedrig dosiertes Fischöl (n-3-Fettsäuren) in der Form einer damit angereicherten Margarine haben bei Infarkt-Patienten nicht die Häufigkeit von Herz-Kreislauf-Ereignissen wie Herzinfarkte oder kardiologische bzw. herzchirurgische Eingriffe verringert. Die Ergebnisse der prospektiven Vier-Jahres-Studie Alpha Omega mit 4837 Herzinfarkt-Patienten (Studienleiter Prof. Daan Kromhout, Universität Wageningen, NL), die auf dem Europäischen Kardiologenkongress (ESC) in Stockholm vorgestellt wurde, konnten eine signifikante Wirkung von Fischöl nicht nachweisen. Das liege möglicherweise an der gleichzeitigen Einnahme von Cholesterin-hemmenden Statinen, kommentierten die Forscher.
Die Probanden wurden 40 Monate lang in vier Gruppen eingeteilt, und erhielten eine geschmacksneutrale Margarine mit entweder 400 Milligramm täglich Eicosapentaensäure (EPA) plus Docosahexaensäure oder zwei Gramm täglich Alphalinolensäure (ALA) oder alle drei Substanzen oder Plazebo. Primärer Endpunkt war ein Herzinfarkt oder eine kardiologische Intervention (PCI) oder ein kardiochirurgischer Eingriff (CABG). Die Einnahme von EPA-DHA allein oder mit ALA bot keinen Vorteil in diesem Endpunkt verglichen mit den Patienten, die ALA allein oder die Plazebo-Margarine täglich 40 Monate lang gegessen hatten.
Die Forscher kommentierten, dass eine mögliche Erklärung für das negative Ergebnis die Häufigkeit der Statinbehandlung anzusehen sei. Fast alle Studienteilnehmer erhielten die medikamentöse Standardbehandlung nach Herzinfarkt mit Blutdrucksenkern (90 Prozent), Thrombose-vorbeugenden Medikamenten (98 Prozent) und Cholesterinsenkern (86 Prozent).
Dazu Univ.-Prof. Dr. Burkert Pieske, Leiter der Abteilung für Kardiologie und Vorsitzender des Univ. Herzzentrums der Medizinischen Universität Graz: "Im Gegensatz zu früheren Untersuchungen konnte diese großangelegte Studie keinen Vorteil von Fischöl oder der pflanzlichen Alpha-Linolsäure bei Patienten nach einem Herzinfarkt und optimaler medikamentöser Behandlung zeigen. Daher ist Folgendes festzuhalten: Fischöl oder Alpha-Linolsäure kann bei Menschen mit koronarer Herzerkrankung als Ergänzung eingenommen werden. Bei Patienten, die eine optimale Risikofaktorkontrolle einschließlich eines Fettsenkers (Statin) haben, ist der zusätzliche Vorteil von Fischöl offenbar gering. Omega-3-Fettsäuren werden daher voraussichtlich auch in Zukunft eher ein Nahrungsergänzungsmittel bleiben. Sie können aber gerade bei Patienten mit Arteriosklerose, bei denen Standardmedikamente nicht ausreichend wirken oder bei Hochrisikopatienten wie Diabetikern, von Vorteil sein."
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