Neue Studie: Ultra-Langstecken-Läufe können das Herz schädigen - Marathon-Teilnahme nur mit adäquatem Trainingspensum
Graz, Stockholm, 1. 09. 2010

PA der ÖKG zum Europäischen Kardiologenkongress in Stockholm
Neue Studie: Ultra-Langstecken-Läufe können das Herz schädigen - Marathon-Teilnahme nur mit adäquatem Trainingspensum
Graz, Stockholm/ Mittwoch, 1. September 2010 ? Ultra-Langstrecken-Läufe können den Herzmuskel schädigen, auch bei Spitzenathleten. Das berichteten Forscher vom Countess of Chester Hospital in Liverpool, UK, auf dem Europäischen Kardiologenkongress (ESC) in Stockholm. Nach Ende des Laufes wiesen 96 Prozent der Teilnehmer einen signifikanten Anstieg von Troponin I auf, einem möglichen Indikator für Schädigungen des Herzmuskels. 12 Prozent der Teilnehmer hatten Anzeichen einer signifikanten Schädigung des Herzmuskels. 50 Prozent der EKGs zeigten Veränderungen: Nach dem Lauf wurde eine 6prozentige Abnahme der Herzfunktion beobachtet, ?die bedeutsam sein könnte?, so die Studienautoren.
Untersucht wurden (Studienleiter Prof. John Somauroo) 45 Teilnehmer des Ultra-Marathon-Rennens ?Lakeland Race?, bei dem eine Strecke von mindestens 80 Kilometer in zum Teil hügeligem Gelände zurückgelegt wird. Die Studien-Teilnehmer hatten zwischen 24 und 62 Jahre und bereits mehrfach an Marathons und Ultra-Marathons teilgenommen, bei keinem war vor dem Rennen ein Herzproblem bekannt gewesen.
In einer weiteren in Stockholm vorgestellten Studie der Charitè-Universitätsklinik Berlin (Studienleiter Dr. Fabian Knebel) zeigten 167 Teilnehmer des Berlin-Marathon mit einem Durchschnittsalter von 50 Jahren nach dem Lauf echokardiographische Veränderungen, die sich allerdings nach 14 Tagen zurückgebildet hatten.
Prof. Skrabal: Ultramarathons sind aus sportmedizinischer Sicht ernstlich zu hinterfragen
?Die Teilnahme an Ultramarathons muss aus sportmedizinischer Sicht ernstlich hinterfragt werden?, kommentiert Univ.-Prof. Dr. Falko Skrabal (Institut für Herzkreislauf- und Stoffwechselmedizin, Graz), ?und das dafür notwendige Trainingspensum ist über die Jahre mit einer erhöhten Gesamtmortalität belastet.?
Um aus sportmedizinischer Sicht einen Marathon laufen zu können, ist im jahrelangen Training ein Laufpensum von etwa 50 Kilometer pro Woche nötig, was bei einem 70 Kilo schweren Mann einem Kalorienverbrauch von etwa 3.500 Kilokalorien (kcal) pro Woche entspricht. Für einen Ultramarathon sind zumindest 80 Kilometer pro Woche günstig (ca 5.600 kcal/Woche). Prof. Skrabal: Ein geringeres Trainingspensum wäre aus medizinischer Sicht abzulehnen.?
Das optimale Trainingspensum für den Gesundheitssport liegt bei 3 x 45 bis maximal 3 x 60 Minuten aerobem Training pro Woche (etwa 1500 kcal bis 2100 kcal/Woche), ?womit man aber keinen Marathon sinnvoll bestreiten kann?, so Prof. Skrabal. ?Die Fehlmenge auf das Optimum von 2500 kcal/Woche sollte durch Körperarbeit bestritten werden, die in den Alltag eingebaut wird, z.B. auf dem Weg ins Büro und im Treppenhaus. Mit zunehmendem Alter sollte zusätzlich ein Krafttraining inkludiert werden.?
Marathon-Teilnahme nur mit adäquatem Trainingspensum
Gegen die Teilnahme an Marathons in jüngeren Jahren ist aus sportmedizinischer Sicht bei adäquatem Trainingspensum nichts einzuwenden. Wenn bei solchen Ereignissen ab dem 50. Lebensjahr EKG Veränderungen nach dem Wettkampf beobachtet werden, sind strukturelle Veränderungen am Herzen und/oder an den Koronargefäßen wahrscheinlich. Bei Marathonläufern in mittleren Lebensjahren wurde zusätzlich bei Langzeitbeobachtungen eine höhere spätere Inzidenz von Vorhofflimmern beobachtet.
Kardiovaskuläre Risikofaktoren reduzieren
Prof. Skrabal: ?Ausdauer-Athleten, die in jungen Jahren Wettkämpfe üblicher Weise ohne gesundheitliche Schäden bestritten haben, in späteren Jahren aber nur Gesundheitssport und keinen Wettkampfsport betreiben, können damit kardiovaskuläre Risikofaktoren wie hohe Blutfettwerte, Diabetes und Bluthochdruck reduzieren und haben zwischen dem 50. Und 80. Lebensjahr Überlebensvorteile gegenüber Nicht-Sportlern.?
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