Stephan Rudas - Wiener Psychiatriereformer (1944 - 2010)
Abschied von einem der gesundheitspolitisch wichtigsten Repräsentanten der Psychiatrie in Österreich: Am 19. Juni verstarb der Psychiater und Psychoanalytiker Dr. Stephan Rudas nach längerer Krankheit in Wien. Erst mit Ende 2009 war der Gründer der Psychosozialen Dienste (PSD) als Chefarzt der von ihm geschaffenen Institution in Pension gegangen.
30 Jahre lang hat Rudas als Kämpfer gegen Diskriminierung und Stigmatisierung von psychisch Kranken gewirkt. Wie er immer betonte, ging es ihm darum, dem oft noch immer vernachlässigten "unsichtbaren Organ Seele" zu seinem Recht zu verhelfen.
Rudas wurde am 27. Mai 1944 in Budapest geboren. Mit seinen Eltern übersiedelte er nach Wien, wo er später Medizin studierte und seine Psychiatrie-Ausbildung absolvierte. Er arbeitete am Anton-Proksch-Institut und kam schließlich - bereits mit Ausbildung zum Psychotherapeuten - als Assistenzarzt an die Psychiatrischen Universitätsklinik (bis 1980) in Wien.
Seinen Ruf als Psychiatriereformer erwarb sich Rudas, nachdem er 1977 vom damaligen Wiener Gesundheitsstadtrat Alois Stacher (S) zum Psychiatriebeauftragten ernannt worden war. Bis 1979 schuf er den ersten Psychiatrie-Zielplan Wiens und baute mit den Psychosozialen Diensten (PSD) eine ambulante Versorgungsstruktur auf, die es erlaubte, die psychiatrischen Kliniken in Wien zu leeren. Ab 1980 war Rudas Gründungs-Chefarzt des PSD, mit 1. Jänner 2010 und seinem Ruhestand übernahm sein langjähriger Mitarbeiter, der Geronto-Psychiater Georg Psota, diese Position.
Durch die Wiener Psychiatrie-Reform gelang eine Reduktion der stationären Psychiatrie-Betten von 3.858 (1979) auf 635 (2008). Der Anteil der Zwangsaufnahmen verringerte sich von 80 auf 25 Prozent. Derzeit betreut der PSD, der sich als Ergänzung, nicht als Konkurrenz zu niedergelassenen Ärzten sieht, mit seinen rund 240 Beschäftigten pro Jahr etwa 10.000 Patienten. Es kommt zu etwa 150.000 Kontakten. Berechnet wurde, dass man ohne dieses ambulante Versorgungsnetz die Stadt Wien längst ein zusätzliches Krankenhaus mit 1.500 bis 2.000 Betten für die Betreuung von psychisch Kranken hätte bauen müssen.
Am 19. Jänner 2010 wurde Rudas bei einem Festakt im Wiener Rathaus (30-jähriges Bestehen des PSD) in den Ruhestand verabschiedet. In seiner Dankesrede äußerte er sich damals zufrieden: "Erstens, wenn ich wieder auf die Welt komme, werde ich wieder Psychiater. Zweitens - wieder in Wien."
Rudas - Zitate
Neben seiner Tätigkeit für die Patienten und als Organisator des PSD in Wien war Psychiater Stephan Rudas auch in vielen gesellschaftlichen Fragen öffentlichkeitswirksam tätig. Seine sprachliche Formulierungsgabe machte ihn jahrzehntelang zu einer über den eigenen Fachbereich hinaus bekannten Persönlichkeit. Einige Zitate: