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Berliner Neurologe Prof. Einhäupl: Innovative Medikamente zum Schlucken reduzieren Schlaganfall-Risiko bei Patient/-innen mit Vorhofflimmern - Neue Erkenntnisse zu Carotis-Operation in der Sekundärprävention - Thrombolyse nach Schlaganfall erweitert einsetzbar

Berlin, 21. Juni 2010
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ENS 2010: 3.000 Neurolog/-innen tagen in Berlin

Berliner Neurologe Prof. Einhäupl: Innovative Medikamente zum Schlucken reduzieren Schlaganfall-Risiko bei Patient/-innen mit Vorhofflimmern - Neue Erkenntnisse zu Carotis-Operation in der Sekundärprävention - Thrombolyse nach Schlaganfall erweitert einsetzbar

Die Prävention bei Schlaganfällen - einer der häufigsten Todesursachen in westlichen Ländern - muss weiter ausgebaut werden. Patient/-innen mit Vorhofflimmern haben ein bis zu 18mal höheres Schlaganfall-Risiko, für sie bieten die innovativen "Blutverdünner" Dabigatran und Rivaroxaban eine neue Perspektive: Diese können geschluckt werden, und regelmäßige Injektionen entfallen ebenso wie die häufigen Blutgerinnungs-Tests beim Arzt. Neue Erkenntnisse auch in der Sekundär-Prävention bei Schlaganfall: Carotis-Operationen sind gleich wirksam wie implantierte Stents (Gefäßstützen.) NeueStudien-Ergebnisse zeigen, dass Patient/-innen bis zu viereinhalb Stunden nach dem Schlaganfallereignis und in Einzelfällen sogar darüber hinaus von einer Thrombolyse profitieren können.

Berlin, 21. Juni 2010 - "Schlaganfälle zählen weltweit zu den häufigsten Todesursachen, es ist daher medizinisch vorrangig, die Prävention in diesem Bereich auszubauen", fordert Prof. Dr. Karl Max Einhäupl von der Berliner Universitätsklinik Charité, der Vorsitzende der Jahrestagung der Europäischen Neurologen-Gesellschaft (ENS), die vom 19. bis 23. Juni 2010 in Berlin stattfindet. Besondere Bedeutung in der Schlaganfall-Prävention hat das Vorhofflimmern, eine Herzrhythmusstörung, von der in Deutschland etwa 300.000 Menschen betroffen sind und die das Schlaganfall-Risiko um ein Vielfaches erhöht. "Blutverdünnende Medikamente können hier das Schlaganfallrisiko um bis zu 80 Prozent senken", so Prof. Einhäupl. Neue Substanzen wie Dabigatran und Rivaroxaban, die geschluckt werden können und ohne regelmäßige Messungen der Blutgerinnung beim Arzt/der Ärztin auskommen, sollen nach ihrer Zulassung Ärzt/-innen und Patient/-innen das Leben leichter machen.

Neue Medikamente - Quickwert-Messungen fallen weg

Dabigatran und Rivaroxaban aus den Häusern Boehringer Ingelheim und Bayer Health Care AG sollen jetzt sowohl Patient/-innen mit Vorhofflimmern als auch Mediziner/-innen das Alltagsleben erleichtern. Bisher mussten diese Patient/-innen bei der Einnahme von blutverdünnenden Standard-Medikamenten wie Marcumar, Falithrom oder Warfarin beim Arzt/der Ärztin regelmäßig ihre Blutverdünnung testen lassen. "Mit den neuen Medikamenten fällt das lästige Messen der Blutgerinnung weg. Sowohl Dabigatran als auch Rivaroxaban werden zwei Mal am Tag als Tabletten eingenommen und das war es auch schon", erklärt Prof. Einhäupl den Vorteil.

Geringere Nebenwirkungen - gleiche Wirksamkeit

Die Wirkung von Dabigatran wurde in der RE-LY-Studie mit 18.000 Teilnehmer/-innen getestet, deren Ergebnisse auf dem Neurologen-Kongress in Berlin diskutiert werden. "Allgemein hat sich gezeigt, dass die Substanzen gut vertragen werden. Bei gleicher Wirksamkeit hatte Dabigatran weniger Nebenwirkungen und bei stärkerer Wirksamkeit ungefähr die gleichen wie die Standard-Medikamente", so Prof. Einhäupl. Trotzdem sei es zu früh für allzu viel Euphorie: "Wir wissen noch zu wenig über die Langzeitwirkung der Medikamente. Dabigatran steht noch vor der Zulassung und wird voraussichtlich Ende des Jahres auf den Markt kommen. Die Wirkung von Rivaroxaban wird derzeit noch an Patient/-innen mit Vorhofflimmern getestet." Natürlich sei es immer ein gewisses Risiko, "Patient/-innen medikamentös zu einem 'Bluter' zu machen", so Prof. Einhäupl. "Jeder individuelle Fall gehört sorgfältig abgewogen. Sobald neben dem Vorhofflimmern aber ein zusätzlicher Risikofaktor auftritt, sollte diese Maßnahme ergriffen werden." Als Risikopatient/-innen gelten dann unter anderem Patient/-innen über 60 Jahre, Diabetiker/-innen und starke Raucher/-innen.

Schlaganfallprävention durch Rhythmusbehandlung bei Vorhofflimmern

Große Bedeutung könnte zukünftig auch ein neues Antiarhythmikum (Dronedarone) bei Vorhofflimmern bekommen. Eine groß angelegte internationale Studie (ATHENA) zeigte, dass das Schlaganfallrisiko um relativ 34 Prozent gesenkt wurde. Da Schlaganfall in der Studie aber kein primärer Endpunkt war, bedarf es jetzt weiteren Untersuchungen, um dieses überraschende Ergebnis zu bestätigen. "Auch sind die Mechanismen, über den dieser Effekt erzielt wird, noch unklar", so Prof. Einhäupl. Ein Vorteil liegt auch in der geringeren Nebenwirkungsrate, als sie bei der Vorläufersubstanz Amiodarone beobachtet wird.

Sekundär-Prävention bei Schlaganfall-Patienten: Carotis-Operation gleich wirksam wie Stent

Weitere Studienergebnisse liegen auch zum Thema operative Sekundär-Prävention von Schlaganfällen vor. Eine Maßnahme, um nach einem Schlaganfall einen weiteren möglichst zu vermeiden, ist eine operative Erweiterung einer verengten Halsschlagader (Carotisarterie). Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft hat Carotis-Operationen mit dem Einsatz von Stents in der Halsschlagader verglichen. Stents sind Gefäßstützen, die in Blutgefäße eingebracht werden, um diese offen zu halten. "Unser Verdacht hat sich bestätigt. Die Stent-Implantation bietet gegenüber der gut durchgeführten Carotis-Operation keine Vor-, sondern vermutlich eher Nachteile", bilanziert Prof. Einhäupl. Das Sterbe-Risiko oder das Risiko eines weiteren Schlaganfalls sei bei Patient/-innen mit Stent-Implantation sogar geringfügig höher. "Ich würde daher bis auf wenige Ausnahmen eine gut durchgeführte Carotis-Operation immer vorziehen."

Thrombolyse erweitert einsetzbar

Verbesserte Chancen für Schlaganfall-Opfer bringen auch Studien zur Thrombolyse, die auf dem Neurologen-Kongress vorgestellt wurden. Die Thrombolyse ist ein intravenös verabreichtes Arzneimittel, das Blutgerinnsel auflöst. Medizinische Leitlinien sehen bisher vor, dass die Thrombolyse nur in einem Zeitfenster von drei Stunden nach dem Schlaganfall angewendet werden soll. "Daher und aus anderen Gründen steht diese Therapie bislang zu wenig Patient/-innen zur Verfügung", so Prof. Einhäupl. Eine große europäische Studie konnte nun zeigen, dass die Thrombolyse auch im Zeitfenster von bis zu viereinhalb Stunden sicher und effektiv eingesetzt werden kann.

Dass umfassende aber rasch durchgeführte kernspintomographische Untersuchung bei akuten Schlaganfallpatienten neue Therapiemöglichkeiten eröffnen können, zeigen Erfahrungen an der Berliner Charité. Hier wurde im Rahmen einer klinischen Beobachtung bei elf Schlaganfallpatient/-innen mit einer Ischämie nach der Magnetresonanz-Untersuchung eine Thrombolyse sicher durchgeführt. Und das, obwohl nicht klar war, wann die Patient/-innen den Schlaganfall erlitten hatten. "Die Ergebnisse zeigen, dass auch Patient/-innen mit unklarem Verlauf des Schlaganfalls eine Thromoblyse erhalten können. Voraussetzung ist, dass die Entscheidung auf Basis von genauen MRT-Ergebnissen getroffen wird", sagt Prof. Einhäupl. Weitere Untersuchungen zeigen, dass eine Thrombolyse auch bei Patient/-innen mit akutem Schlaganfall, aber milden Symptomen durchgeführt werden kann.

Quelle: ENS Abstracts

O103Dabigatran compared to warfarin in patients with atrial fibrillation and prior TIA or stroke: the RE-LY study

P166CT perfusion: from imaging to treatment decisions in acute ischaemic stroke

P592Can we safely base the decision to thrombolyse stroke patients with unclear time of onset on MRI criteria?

P593Shall we deny thrombolytic therapy to acute stroke patients with mild symptoms?

ENS Pressestelle:

Dr. Birgit Kofler

B&K Bettschart&Kofler Medien- und Kommunikationsberatung

E-Mail: kofler@bkkommunikation.com

Mobil: +43-676-6368930, Telefon: +43-1-3194378